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Planung und Ausführung
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Allgemeine Hinweise zur Planung und Ausführung von Verkehrsflächen und Pflasterungen


1     Einleitung:    Der vorliegende Aufsatz basiert auf die im September 1997
                           erschienen Broschüre

"Dauerhafte Verkehrsflächen mit Betonpflastersteinen".

Die nachfolgenden Ausführungen sollen dem Planer und Ausführenden als Hilfsmittel für die Herstellung dauerhaft funktionsfähiger Flächenbefestigungen mit Betonpflaster und zur Vermeidung von Schäden dienen. Sie dürfen unter Angabe der Quelle wiedergegeben bzw. weiter verwendet werden.
  Dipl.-Ing. Dietmar Ulonska
  Bundesverband Deutscher Beton- und Fertigteilindustrie e.V., Bonn
  Fachvereinigung Betonprodukte für Straßen-, Landschafts- und Gartenbau e.V.,Bonn


2      Arten und Ursachen von Schäden

Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass bei nicht fachgerechter Planung, Ausschreibung und Ausführung Schäden an Betonpflasterbauweisen auftreten können. Diese beeinträchtigen die Gebrauchsfähigkeit und Sicherheit der Verkehrsfläche.
Weil die Schäden stets an der Oberfläche sichtbar werden, wird häufig das Belags- produkt verantwortlich gemacht, was jedoch in den meisten Fällen zu Unrecht geschieht

Nach Expertenschätzungen sind rund 90% aller Schäden an der Betonpflaster- bauweise nicht auf die Qualität des Belagproduktes zurückzuführen.

Für Kantenschäden oder Bruch einzelner Steine können als Ursache in Frage kommen:

  • Einbau noch nicht ausreichend erhärteter Steine.
  • Unzureichende Betonfestigkeit.
  • Einsatz zu schwerer Flächenrüttler.
  • Zu geringe Fugenabstände zwischen den Steinen.
  • Verformung des Unterbaues.

Bleibende Verformungen des Pflasters sind horizontale und vertikale Verschiebungen einzelner Steine oder ganzer Pflasterbereiche. Für Verformungen in vertikaler Richtung (Rinnen, Wellen) können als Ursache in Frage kommen:

  • Nicht ausreichende Standfestigkeit des Unterbaues.
  • Bettungsdicke zu groß und / oder zu ungleichmäßig.
  • Überbeanspruchung der Pflasterdecke.

Eine unzureichende Standfestigkeit des Unterbaues kann folgende Ursachen haben:

  • Fehlerhafte Auswahl der Schichtenfolge, der Schichtenarten und der Schicht-    materialien.
  • Fehlerhafte Dimensionierung der Tragschichten.
  • Unzureichende Verdichtung von Untergrund und Tragschichten

Bei Verformungen in horizontaler Richtung können als Ursache in Frage kommen:

  • Fehlerhafte Auswahl von Fugen und Bettungsmaterialien
  • Fehlende Fugenfüllung.
  • Fehlerhafte Auswahl von Steinform und / oder Verband (Verlegemuster)
  • Randeinfassung fehlt oder ist nicht ausreichend standfest.


3     Einsatzbereich und Einsatzgrenzen

Betonpflaster eignen sich für eine Vielzahl von Verkehrsflächen und Belastungen. Die Haupteinsatzgebiete sind:

  • Wohn-, Anlieger- und Verkehrsstraßen.
  • Standspuren, Abbiegespuren und Busverkehrsflächen.
  • Parkplätze, Rastplätze, Tankstellenbereiche.
  • Befahrbare Gleisflächen von Schienenbahnen.
  • Industrieflächen, Bahnsteige und Panzerstraßen.
  • Land und forstwirtschaftliche Wege
  • Fußgängerzonen, Geh- und Radwege.
  • Private Einfahrten und Hofflächen.
  • Flächen im privaten Wohnumfeld.
  • Abstellplätze und Hafenstraßen.
  • Ufer und Böschungsbefestigungen

Pflastersteine sollten nicht für Fahrbahnen, auf denen höhere Geschwindigkeiten als 60 km/h gefahren werden, eingesetzt werden. Pflasterbauweisen dürfen auch nicht für Verkehrsflächen der Bauklasse SV,I und II nach RStO eingesetzt werden. Dazu gehören z.B. Schnellverkehrsstraßen und Industriesammelstraßen.


4     Planung und Ausführungen

4.1   Allgemeine Hinweise

Die Gestaltung von öffentlichen und privaten Verkehrsflächen erfolgt häufig im wesentlichen unter architektonischen Gesichtspunkten.
Bei der Anwendung von Pflasterbauweisen ist es jedoch wichtig, die bautechnischen Anforderungen zu beachten, um Gebrauchstauglichkeit und Sicherheit der Fläche dauerhaft sicher zu stellen

Im Bereich öffentlicher Baumaßnahmen werden generell die Verdingungsordnung für Bauleistungen (VOB) und somit die Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen (ATVen) vereinbart. Darüber hinaus werden i.d.R. auch die relevanten zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen (ZTVen) vereinbart. Die Anwendung dieser Vorschriften ist im Hinblick auf die Vermeidung von Schäden sowie von Streitfällen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer von großer Bedeutung.
Daher kann es auch bei Baumaßnahmen im privaten Bereich zweckmäßig sein, sowohl die VOB (u.a. ATVen), als auch die ZTVen vertraglich zu vereinbaren. Werden keine besonderen Vorschriften vereinbart, gelten die Regelungen des Werksvertrages. Die jeweiligen Landesbauortnungen sind zubeachten.


4.2    Oberflächenentwässerung

Pflasterdecken müssen stets mit ausreichendem Gefälle hergestellt werden, damit ein ungehinderter möglichst schneller Abfluss von Oberflächenwasser eintreten kann (Vermeidung von Pfützenbildung und Aquaplaninggefahr). Bei öffentlichen Verkehrsflächen sind die RAS-Ew und ggf. weitere Regelwerke zu beachten. Auch bei herkömmlichem Gefälle wird ein vollständiger Abfluss des Oberflächenwassers nicht erreicht. Nach DIN 1986-2 wird mit einem Abflussbeiwert von 0,7 gerechnet. 30% des Wassers wird zurückgehalten und versickert größtenteils durch die Befestigung (Fugen). Die Wasserdurchlässigkeit von Betonpflaster ist ein Merkmal, welches in Bezug auf die Auswahl und Herstellung der darunter liegenden Schichten besondere Bedeutung erlangt.


4.3    Bemessung des Oberbaues

Die Bemessung von Verkehrsflächen erfolgt prinzipiell auf der Grundlage der RStO. In den RStO sind Bauweisen mit Asphaltdecke, Betondecke und Pflasterdecke beschrieben. Die Standardbauweisen umfassen Befestigungen für Fahrbahnen und sonstige Verkehrsflächen, wie z.B. Busverkehrsflächen, Rad- und Gehwege, Parkflächen und Feuerwege. Nicht enthalten sind Bauweisen im Bereich privater Bauvorhaben, wie z.B. Hofflächen, gewerblich genutzte Flächen, Garagenzufahrten, Gartenwege und landwirtschaftliche Wege

Kriterien für die Bemessung des Oberbaues sind:

  • Verkehrsbelastung, repräsentiert durch die Verkehrsbelastungszahl (VB)
    und die zugeordnete Bauklasse.
  • Die erforderliche Dicke des frostsicheren Oberbaues

Diese Kriterien sind in der RStO detailliert beschrieben


4.4 Technische Vorschriften für Konstruktion und Ausführung

Die RStO weisen darauf hin, dass für Planung, Ausschreibung und Bauausführung von Verkehrsflächenbefestigungen die einschlägigen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien zu beachten sind.
Als Grundlage - speziell für den Bau von Befestigungen mit Pflasterdecken - sind als wesentliche Vorschriften, in der jeweils gültigen Fassung zu beachten.

  • ATV DIN 18299    -   Allgemeine Regeln für Bauarbeiten jeder Art.
  • ATV DIN 18300    -   Erdarbeiten
  • ATV DIN 18315    -   Verkehrswegebauarbeiten
                                 Oberbauschichten ohne Bindemittel
  • ATV DIN 18316    -   Verkehrwegebauarbeiten
                                 Oberbauschichten mit hydraulischen Bindemitteln
  • ATV DIN 18317    -   Verkehrswegebauarbeiten
                                 Oberschichten aus Asphalt
  • ATV DIN 18318    -   Verkehrswegebauarbeiten
                                 Pflasterdecken, Plattenbeläge und Einfassungen
  • ZTV P-STB 2000 -  Zusätzliche Vertragsbedingungen und Richtlinien für den
                                 Bau von Pflasterdecken und Plattenbelägen
  • ZTVT-StB 95      -  Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und
                                 Richtlinien für Tragschichten im Straßenbau
  • ZTVE-StB 94      -  Zusätzliche Vertragsbedingungen und Richtlinien für
                                 Erdarbeiten im Straßenbau
  • ZTV Ew-StB 91    -   Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und
                                 Richtlinien für den Bau von Entwässerungseinrichtungen im
                                 Straßenbau
  • RAS-Ew             -  Teil Entwässerung

Die Abbildung 1 veranschaulicht, für welche Bereiche der Pflasterkonstruktion einige der genannten Vorschriften heranzuziehen ist.



Bei der Wiederherstellung von Aufgrabungen sind die
  • Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Aufgrabungen in Verkehrsflächen ZTVA-StB 97

zu beachten.

Für spezielle Anwendungsgebiete wie z.B. Flächen im landwirtschaftlichem Wegebau, als wasserdurchlässig bezeichnete Beläge, Tankstellenbeläge oder Flugplatz- befestigungen sind ggf. weitere Vorschriften zu beachten und ggf. vertraglich zu vereinbaren.


4.5    Ausführungen des Untergrundes / Unterbaues

Zum Erreichen der straßenbautechnischen Anforderungen im Gebrauchszustand muss der Untergrund / Unterbau die Tragfähigkeit gemäß RStO [9] besitzen und die Anforderungen der ZTVE-StB 94 [20] erfüllen. Letzter regelt u.a.

  • Beurteilung der Frostempfindlichkeit.
  • Verdichtungsgrad und Tragfähigkeit.
  • Ebenheit und profilgerechte Lage der Oberfläche
  • Art und Umfang von durchzuführenden Prüfungen.


4.6      Planung und Ausführung des Oberbaues

4.6.1  Tragschichten

Die Tragschicht stellt das Element dar, welches die aus der Pflasterdecke eingebrachten Lasten verteilt und in darunterbefindliche Schichten bzw. in den Untergrund abführen muß. Die Tragschicht darf sich nicht -ebenso wie die Pflasterdecke - infolge der Verkehrsbelastung bleibend verformen. Die Anforderungen an die Tragfähigkeit gemäß RStO und die Anforderungen der TTVZ-StB 95 sind einzuhalten. Letztere regelt u.a.:

  • Anforderung an die Baustoffe (z.B. Kornzusammensetzung).
  • Verdichtungsgrad und Tragfähigkeit
  • Ebenheit und profilgerechte Lage der Oberfläche.
  • Art und Umfang von durchzuführenden Prüfungen.

Tragschichten und Pflasterdecken müssen stets wasserdurchlässig ausgebildet werden, da auch die Pflasterdecke wasserdurchlässig ist. Tragschichten ohne Bindemittel eignen sich am Besten als Unterlage für Pflasterdecken, da sie bei ausreichender Tragfähigkeit mit der nötigen Durchlässigkeit hergestellt werden können. Frostschutzschichten sind ebenfalls den ungebundenen Tragschichten hinzuzurechnen und unterliegen somit den Anforderungen der ZTVT-StB 95

Ungebundene Tragschichten müssen stets untereinander sowie gegenüber der Pflasterbettung und dem Untergrund eine ausreichende Filterstabilität aufweisen.

Mit gebundenen, wasserdurchlässig konzipierten Tragschichten (Asphalt- und Dränbetontragschichten) liegen vergleichsweise wenig baupraktische Erfahrungen vor. Herstellung und insbesondere die Aufrechterhaltung der Durchlässigkeit derartiger Tragschichten gestaltet sich in der Praxis häufig als schwierig. Eine gebundene Tragschicht (z.B. Dränbeton) ist steifer und damit widerstandsfähiger gegen Verformungen als eine ungebundene Tragschicht (aus Kies oder Schotter). Sie ist daher insbesondere für hohe oder besondere Verkehrsbeanspruchungen geeignet. Sie erfordert jedoch in aller Regel das Aufbringen eines Geotextils zur Sicherung der Filterstabilität gegenüber einem ungebundenen Bettungsmaterial. Zudem ist der Aufwand bei Aufgrabungen erheblich höher als bei der Verwendung einer ungebundenen Tragschicht. Der Einsatz einer gebundenen Tragschicht ist daher besonders sorgfältig abzuwägen.


4.6.2  Randeinfassungen

Pflasterdecken benötigen eine dem Verwendungszweck angepasste Randeinfassung. Im öffentlichen Bereich werden hauptsächlich Betonbordsteine gemäß DIN 483 eingesetzt. Im Privaten Bereich kommen überwiegend so genannte Rand- und Einfassungssteine zur Anwendung. Diese sollten den BDB-Richtlinien entsprechen. Kleinpalisaden sind als Randeinfassungselemente ebenfalls gut geeignet, insbesondere dort, wo enge Kurven und Verziehungen hergestellt werden müssen. Die Aufgabe der Randeinfassung besteht darin, Verschiebungen der Pflastersteine im Randbereich während der Herstellung und der Nutzung der Pflasterdecke zu verhindern.
Einbauweise für Bordsteine und im übertragenden Sinne auch für Rand- und Einfassungssteine siehe Abbildung 2 Beispiel einer Randeinfassung.



4.6.3      Pflasterdecke

4.6.3.1  Allgemeine Hinweise

Betonpflasterdecken eignen sich für die Befestigung vielfältiger Verkehrsflächen, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich. Betonpflasterdecken sollten stets in der Standardbauweise, d.h. unter Verwendung von ungebundenen Bettungs- und Fugenmaterialien ausgeführt werden. Die Ausführung gebundener Betonpflasterdecken, also die Verwendung von Mörtel als Bettungs- und Fugenmaterial, ist keine Standardbauweise (vgl. ZTV P-StB und sollte nur in Ausnahmefällen vorgenommen werden. Ein in dieser Weise hergestellter Belag (häufig auch als "starre Bauweise" bezeichnet) kann sich schadenfrei nur in sehr geringem Maße verformen. Damit unterscheidet er sich erheblich von einem ungebundenen Belag. Letzterer kann sich auch bleibend (also plastisch) verformen, z.B. einem Nachgeben der Unterlage anpassen, und wird daher häufig als "flexible Bauweise" bezeichnet. Wenngleich bleibende Verformungen (über ein zulässiges Maß hinaus) bei einem ungebundenen Belag einen Mangel darstellt, so ist dies in der Regel nicht als Schaden zu betrachten, solange die Nutzungssicherheit des Belages gegeben ist. In jedem Fall lassen sich diese Verformungen mit relativ geringem Aufwand beseitigen. Dies u.a. auch deshalb, weil sie in der Regel lokal begrenzt bleiben. Bei einem gebundenen Belag hingegen löst eine lokal auftretende Überbeanspruchung eine Art "Kettenreaktion" aus und der Schaden breitet sich meist schnell auf benachbarte Bereiche aus. Eine nicht belastungsgerechte Planung und / oder Ausführung bedeutet dann praktisch das "Aus" für die gesamte betreffende Verkehrsfläche.

Soll trotzdem, ausnahmsweise eine gebundene Betonpflasterdecke ausgeführt werden, sind Bettungs- und Fugenmörtel sorgfältig auszuwählen - ggf. sollte fundierte Beratung in Anspruch genommen werden. Zwischen den Steinen bzw. Platten und dem Mörtel muss eine ausreichende Haftzugfestigkeit gegeben sein. Die Einflüsse auf die Haftzugfestigkeit, z.B. Witterungs- und Einbaubedingungen, Art und Geometrie der Steine bzw. Platten und Mörtelart, sind dabei unbedingt zu beachten. Auch gebundenes Fugenmaterial kann auf Dauer den Eintritt von Oberflächenwasser in den Belag nicht verhindern (z.B. bilden sich Schwindrisse infolge Temperaturschwankun- gen) Eine gebundene Bettung muss daher unbedingt ausreichend wasserdurchlässig ausgebildet werden, da sonst erhebliche Schäden an der Pflasterdecke zu erwarten sind (z.B. Frostschäden). Die Mörtelbauweise für Pflasterdecken und Plattenbeläge stellt keine Standardbauweise dar und ist auch nicht in näher in den ZTVP beschrieben.

Das Verhalten der Pflasterdecke unter Verkehrsbelastung wird neben der Qualität von Unterlage, Bettung und Fugenfüllung auch von folgenden Faktoren beeinflusst:

  • Form und Größe der Steine.
  • Verlegemuster und Verband.

Diese Einflussfaktoren müssen bereits bei der Planung berücksichtigt werden. Verband und Verlegemuster sollten mit Verlegeplänen eindeutig vorgegeben werden.


4.6.3.2  Pflasterstein und Verband richtig auswählen

Form und Größe der Steine sowie der Verband (das Velegemuster) haben besondere Bedeutung bei horizontal wirkenden Lasten. Somit ist für alle Flächen, die von Fahrzeugen - insbesondere von Schwerlastfahrzeugen - befahren werden, besonderes Augenmerk auf die richtige Wahl von Stein und Verband zu legen. Untersuchungen von Shackel, Wellner und Rehbein haben gezeigt:

  • Steine mit Verbundwirkung weisen ein günstigeres Tragverhalten auf als Steine ohne Verbundwirkung.
  • Die Vergrößerung der Steingrundfläche bewirkt eine günstige Lastenverteilung für vertikal wirkende Lasten. Dabei ist zu beachten, dass der Quotient aus größter Steinlänge und Steinhöhe kleiner oder höchstens vier beträgt
  • Von den üblichen Verlegemustern hat sich z.B. der Fischgrätverband als weniger anfällig gegen Spurrinnenbildung herausgestellt als der Läuferverband.

Diagonal zur Fahrtrichtung verlegte Steine tragen Horizontalkräfte besser ab als quer zur Fahrtrichtung verlegte Steine . Beim Überrollen des Pflasters werden bei der  Diagonalverlegung mehr Steine erfasst und zur Lastübertragung herangezogen als bei Verlegung quer zur Fahrtrichtung. (vergleiche Abbildung 3)



Die Wahl des richtigen Pflastersteines und eines geeigneten Verbandes (Verlegemusters) ist somit, neben optischen und gestalterischen Aspekten, vor allem eine Angelegenheit der zu erwartenden Verkehrsbelastung.Seitens der Beton- und Fertigteilindustrie werden folgende Empfehlungen gegeben

Hohe Verkehrsbeanspruchung, hohe Horizontalbelastung (Bauklasse III und ggf. IV RStO)

  • Steinhöhe mindestens 10 cm.
  • Steine mit Verbundwirkung bevorzugen.
  • Steine möglichst in Fischgrät- oder Ellenbogenverband verlegen

Mittlere bis geringe Verkehrsbelastung (Bauklasse v und IV RStO)

  • Steinhöhe mindestens 8 cm
  • nahezu jede Steinform möglich. (Steine mit kubischer Form, insbesondere Kleinformatige vermeiden
  • Frei Wahl des Verbandes (Kreuzfugen vermeiden)

Rad- und Gehwege sowie Flächen, bei denen das Befahren durch Kraftfahrzeuge ausgeschlossen ist:

  • Steinhöhe 6 cm.
  • jede Steinform möglich.
  • Freie Wahl des Verbandes.

Bei Überfahrten von Rad- und Gehwegen ist von mittlerer bis geringer Verkehrsbeanspruchung auszugehen


4.6.3.3  Vor Beginn der Verlegung

Vor Beginn der Verlegearbeiten muss sichergestellt sein, dass die Unterlage, d.h. Tragschichten und Untergrund, ausreichend tragfähig ist. Die einzelnen Schichten müssen entsprechend den zu erwartenden Verkehrsbelastungen bemessen und verdichtet sein. Der Nachweis der erforderlichen Verdichtung ist z.B. mit dem Plattendruckversuch nach DIN 18134 relativ schnell und kostengünstig durchzuführen.

Der Bedarf an Steinen pro Quadratmeter verlegter Fläche schließt die Fugen ein. Dementsprechend werden die Erzeugnisse so geliefert, dass die bestellte Fläche unter Einhaltung des Rastermaßes verlegt werden kann.

Unmittelbar nach Eintreffen der Pflastersteine auf der Baustelle ist - zumindest anhand des Lieferscheines und durch Inaugenscheinnahme - zu prüfen, ob die Lieferung der Bestellung entspricht. Bestehen Zweifel oder Bedenken, darf mit den Verlearbeiten nicht begonnen werden, bevor eine Klärung erfolgt ist. Auch für den Fall, dass Steine einen offensichtlichen Qualitätsmangel aufweisen, sollte dies vom erfahrenen Vorarbeiter oder Verleger erkannt werden. Mit der Verlegung sollte bis zur Klärung der Angelegenheit gewartet werden.

Betonpflastersteine sind Massenprodukte. Trotz hochwertiger Produktionstechnik sind Maßtoleranzen nicht vermeidbar. DIN 1805 lässt Grenzabmaße von +- 3 mm für Länge und Breite zu. Es ist daher besonders zweckmäßig, die geforderte Verlegebreite, also den Abstand zwischen den Randbegrenzungen, durch Auslegen einzelner Steinzeilen vor Beginn der eigentlichen Verlegearbeit zu ermitteln. Aber auch wenn die Randbegrenzung bereits gesetzt sind, kann es zweckmäßig sein, einzelne Steinzeilen auszulegen und vor allem auszurichten, bevor die eigentliche Verlegearbeiten beginnen. In beiden Fällen können durch diese Vorarbeiten oftmals unnötige und teure Schneidearbeiten an den Rändern vermieden werden.


4.6.3.4  Bettung

Die Bettung stellt das Auflager für die Pflastersteine dar. Sie hat außerdem die Aufgabe, die Höhentoleranzen der Steine auszugleichen. Ungebundene Bettungsmaterialien sind aufgrund ihrer Wasserdurchlässigkeit für die Pflasterbauweise am besten geeignet. Bevorzugt sollten eingesetzt werden:

  • Sand 0/2 oder 0/4 mm
  • Splitt 1/3 mm oder
  • kornabgestuftes Brechsand - Splittgemisch 0/5 oder 0/8 mm

Das Nenn-Größtkorn darf 8 mm nicht überschreiten.

Bei der Verwendung von Splitt ohne Körnungsanteil 0/2 mm in Verkehrsflächen mit hoher Horizontalbeanspruchung (z.B. Wendestellen, Busverkehrsflächen) zeigten sich in der Vergangenheit vermehrt Schäden (z.B. leere Fugen, Verschiebungen der Steine). In Fachkreisen werden mögliche Ursachen diskutiert:

  • Bettungsmaterial weist zu hohen Hohlraumgehalt auf.
  • Bettungsmaterial ist zu weich und zerreibt sich
  • Fugenmaterial ist nicht korrekt auf das Bettungsmaterial abgestimmt.

Wissenschaftliche Untersuchungen, die Aufschluss geben könnten, fehlen bislang. Es ist jedoch vorerst von der Verwendung derartiger Bettungsmaterialien für die genannten Einsatzbereiche abzuraten. Des weiteren sind bindige und schluffige Sande, feinere Sande als 0/2 mm sowie nicht abgestufte Körnungen als Bettungsmaterial ungeeignet.

Das Bettungsmaterial muss so beschaffen sein, dass ein Einrütteln der Steine, d.h. ein Ausgleich der zulässigen Höhentoleranzen der Steine problemlos möglich ist.
(vgl. Abbildung 4)



Verdichtungsunwilliges Bettungsmaterial kann zu Rüttelschäden an den Pflastersteinen führen.

Die Dicke des Pflasterbettes beträgt im verdichteten Zustand 3 bis 5 cm. Sie soll den oberen Wert nicht überschreiten. Damit Verformungen der Decke unter Lasteinfluss nicht entstehen können. Die Bettung muss gleichmäßig dick aufgetragen werden. Sie darf nicht dazu dienen, unzulässige Unebenheiten der Tragschicht auszugleichen. Unregelmäßigkeiten in der Dicke des Pflasterbettes können bereits beim Abrütteln des Pflasters zu Verformungen führen, die sich später durch die Verkehrslasten weiter verstärken. (Abbildung 5)



Das Pflasterbett ist so zu überhöhen, dass sie Sollhöhe der Pflasterdecke nach dem Abrütteln erreicht wird. Die Überhöhung ist abhängig von der Art der Steine und des Bettungsmaterials und beträgt im Allgemeinen 0,5 bis 1 cm. Das Pflasterbett ist stets mit der geforderten Querneigung und der gleichen Genauigkeit wie die Pflasterdecke herzustellen.


4.6.3.5  Verlegung / Randanschlüsse

Für das Verlegen von Betonpflastersteinen sind die im Abschnitt 4.4 genannten Vorschriften maßgebend und unbedingt zu beachten. Systembedingte Verlegehinweise, die nicht den Technischen Vorschriften zu entnehmen sind, z.B. Angaben zur Verlegung von Kurvensteinen, Kreisen und Flächen stellt in der Regel der Pflasteranbieter zur Verfügung. Diese müssen ebenso beachtet werden. Pflastersteine müssen fluchtgerecht, höhengleich und im vorgeschriebenen Muster / Verband verlegt werden. Die Steine werden von der bereits verlegten Fläche aus verlegt. Das vorbereitete Pflasterbett darf nicht betreten werden.

Bei der Planung von Pflasterflächen sollte nach Möglichkeit die Verlegebreite immer auf das Rastermaß der gewählten Steine abgestimmt werden, um unnötige Schneidearbeiten an den Rändern zu vermeiden. Ist es erforderlich, Pass-Steine durch Schneiden oder Knacken herzustellen, darf die kürzeste Länge des Pass-Steines nicht kleiner sein als die Hälfte der langen Seite des Ausgangsteines sein. Darüber hinaus dürfen Pass-Steine nicht zu Spitzwinklig sein. Diese Anforderungen wurden jetzt auch ins aktuelle Regelwerk aufgenommen (vgl. TZV P-StB 2000). Als Faustregel gilt:

Kein Pass-Stein ist kleiner als der halbe Normalstein und Winkel unter 45° sind bei Pass-Steinen möglichst zu vermeiden.

Pass-Steine ungeeigneter Formen und Abmessungen führen zur Schwächung des Belages, da sie sich häufig bereits nach kurzer Zeit lockern oder sogar brechen.

Handwerklich einwandfreie Detaillösungen erfordern entsprechende Kenntnisse und ein gewisses Maß an Kreativität. Der Planer oder Bauleiter wird im Einzelfall nicht umhin kommen - selbst, wenn die Verlegearbeiten bereits im vollen Gange sind - Detaillösungen zu erarbeiten. Auf deren Umsetzung ist bei der Bauausführung besonders zu achten. So kann es für eine handwerklich einwandfreie Ausführung notwendig sein, den Verband bzw. das Verlegemuster in Rand- und Anschlußbereichen zu ändern.
Die Abbildungen 6 und 7 zeigen Beispiele handwerklich einwandfreier Ausführungen.



4.6.3.6  Fugen / Verfugen

Die Fugenbreite muss gemäß technischen Vorschriften 3 bis 5 mm betragen. Der untere Wert darf nicht unterschritten werden, damit eine vollständige Füllung der Fugen erreicht werden kann. Der obere Wert sollte nicht überschritten werden, damit sich das Fugenmaterial gut verfestigen kann. Loses Fugenmaterial (z.B. bei einer Fugenbreite größer als 5 mm) wird bei maschineller Reinigung der Fläche leicht ausgetragen. Zudem kann oberflächlich abfließendes Wasser zur Ausspülung des losen, nicht ausreichend verdichteten Fugenmaterials führen.

Eine vollständig gefüllte Fuge von 3 bis 5 mm ist der beste Garant für das Abstützen der Steine untereinander, also für die Aufnahme von Horizontalkräften aus Bremsen, Beschleunigen und Kurvenfahrten. Die Fugen müssen zudem die unvermeidbaren und zulässigen Maßtoleranzen bezüglich der Steinlängen und -breiten ausgleichen. Betonpflastersteine werden heute bereits überwiegend mit Abstandshilfen von etwa 1 bis 1,5 mm (so genannten Nocken) geliefert. Diese garantieren eine gewisse Mindestfugenbreite. Sie dienen jedoch nicht als Ersatz für die verlegetechnisch erforderliche Fugenbreite von 3 bis 5 mm. (vgl. Abbildung 8)



Der Kontakt "Beton auf Beton" muss vermieden werden, um die nötige Elastizität, die durch die Fugenfüllung gegeben ist herzustellen.

Als Fugenmaterial ist geeignet:

  • Sand 0/2 mm
  • Sand 0/4 mm
  • Splitt 1/3 mm
  • Brechsand - Splittgemisch 0-5 mm

In jedem Fall, und das ist ausgesprochen wichtig, müssen Bettungs- und Fugenmaterial aufeinander abgestimmt, also gegeneinander filterstabil sein. So wird sichergestellt, dass in die Fugen eindringendes Wasser nicht zum Ausspülen von Feinanteilen, zur Kornumlagerung und letztlich zum Abwandern des Fugenmaterials führt. Beste Voraussetzungen für eine dauerhafte Funktion der Pflasterdecke werden geschaffen, indem für die Bettung und die Fuge das gleiche Mineralstoffgemisch verwendet wird.

Die Fugen werden kontinuierlich mit dem Fortschreiten der Verlegearbeiten gefüllt. Vor dem Abrütteln ist überschüssiges Fugenmaterial vollständig abzukehren. Die Pflasterdecke wird danach bis zur Standfestigkeit gerüttelt. Nach dem Rütteln sind die Fugen erneut vollständig zu füllen und abschließend einzuschlämmen. Nach dem Einschlämmen sollte mit der Verkehrsfreigabe gewartet werden, bis das Wasser die Tragschichten passiert hat und in den Untergrund abgewandert ist. Bei durchnässten Tragschichten und gleichzeitiger Verkehrsbelastung droht Tragfähigkeitsverlust und Verformung der Pflasterkonstruktion. Die ZTV P-StB 2000 fordert unmissverständlich die  abschließende Fugenfüllung unter Zugabe von Wasser, das sog. Einschlämmen.


4.6.3.7  Abrütteln

Nach dem ersten Einsanden und Abkehren wird die Pflasterdecke gleichmäßig von den Kanten beginnend zur Mitte hin bis zum Erreichen der Standfestigkeit gerüttelt.
Nicht eingesandete Pflasterdecken dürfen nicht abgerüttelt werden.
Die zuverwendenten Flächenrüttler müssen nach Herstellerangaben für den jeweiligen Einsatz geeignet sein; ggf. sind sie mit einer Plattengleitvorrichtung zu versehen. Vibrationswalzen dürfen nicht eingesetzt werden. Aufgrund langjähriger Erfahrungen können folgende Empfehlungen gegeben werden:

  • Steinhöhe 6 cm: Flächenrüttler bis zu einem Betriebsgewicht von ca. 130 Kg und einer Zentrifugalkraft von 18 bis 20 kN
  • Steinhöhe 8 und 10 cm: Flächenrüttler mit einem Betriebsgewicht von 170-200 kg und einer Zentrifugalkraft von 20 bis 30 kN
  • Steinhöhe 10 cm und mehr: Flächenrüttler mit einem Betriebsgewicht von 200 bis 600 kg und einer Zentrifugalkraft von 30 bis 60 kN

Insbesondere farbige Pflaster und solche mit besonderer Oberflächenbehandlung darf nur im trockenen Zustand - unter Verwendung einer Plattengleitvorrichtung - abgerüttelt werden.


Der erste Schritt ist getan. Sie haben sich für die Gestaltung Ihrer Gartenanlage einen neuen Belag ausgesucht. Ob Pflaster oder Betonwerksteinplatten der Aufbau des Oberbaues ist annähernd gleich. Für die private Nutzung sollten sie unbedingt den als Grafik dargestellten Aufbau einhalten.

1. Heben Sie ca. 25-40 cm aus und koffern Sie diesen neu aus.

2. Verdichten Sie den Unterbau bis zur Standfestigkeit. Benutzen Sie dafür
     einen Flächenrüttler mit einer Zentrifugalkraft von mindestens 20 bis 30 KN
     (Betriebsgewicht 170 bis 200 Kg).

3. Setzen Sie die Randeinfassung (Bordsteinen, Multiborder, Rasenkanten
     usw.) in Beton mit Rückenstütze gemäß Skizze.

4. Verfüllen sie die Tragschicht lagenweise mit Schotter 0/32 und verdichten
     sie diese bis zur Standfestigkeit, arbeiten Sie bitte das erforderliche Gefälle
     von ca. 2 % bei der letzten Lage Schotter mit ein.
     Die abgerüttelte Tragschicht muss planeben sein und darf keine Uneben-
     heiten aufweisen.
     Es ist absolut falsch und unfachmännisch wenn Unebenheiten mit dem
     Pflasterbett ausgeglichen werden. Schäden an der Pflasterung sind zwangs-
     läufig zu erwarten.

5. Bringen Sie das Pflasterbett ca. 5 cm ein und ziehen dieses unter Zuhilfe-
     nahme von zwei Höhenlehren (z.B. Wasserrohre  3/4 Zoll) plan ab.
     Die   Stärke des Pflasterbettes sollte gleichmäßig hoch und ca. 5 cm sein.